Am Donnerstag startet Martin Freinademetz bei der Enduro-Rallye „Roof of Africa“. Davor beantwortete der Allround-Tiroler, der am 10. Dezember seinen 40er feiert, noch unsere brennenden Fragen.
Martin "Frejn" Freinademetz, 39, war einer der Pioniere im europäischen Snowboardsport. Ein Berggeist aus Innsbruck, der auf und auch abseits der Piste immer wieder für Aufsehen sorgte. So trat er einst in Zeiten hautenger Rennanzüge im Ganzkörper-Plüschfell an – und gewann! Als er 1988 ins frisch aus den Staaten herübergeschneite Burton-Rennteam aufgenommen wurde, begann seine erfolgreiche Karriere als Alpin-Racer.
Seine Laufbahn gipfelte in einem Doppelweltmeistertitel 1995 und in einem Ausschluss von den Olympischen Spielen 1998, als er in Nagano beim Bierdosenweitwerfen einen Computer in einer Hotel-Lobby zerstörte. (Kommentar Frejn: „Dass die Bierdose auf dem Schreibtisch landete und das Bier in den Computer eindrang, spricht eigentlich nicht für die sonst so fleißigen und reaktionsschnellen Japaner. Aber was soll's, ich habe alles zugegeben und den Schaden bezahlt.“)
Heute ist Martin Freinademetz zweifacher Familienvater (Tara, 11, und Santiago, 9). Auch wenn sich sein Revoluzzer-Gemüt im Lauf der Jahre um einige Nuancen abgekühlte, der Tiroler hat noch immer Hummeln im Hintern und hat schon vor Jahren eine neue Leidenschaft entdeckt: Motocross, am liebsten Enduro. Frejn organisiert seit 2004 Enduro- und Snowmobile-Rennen (Red Bull Romaniacs, Red Bull 1000 Trails) in seiner neuen rumänischen Heimat Sibiu und sitzt fast jede freie Minute auf seiner Maschine.
Erste Rallye-Erfahrung sammelte er bereits bei der Atlas-Rallye 1996 in Marokko, wo er Rang 14 belegte, 2007 kam er bei der Rallye Dakar als 90. durchs Ziel. Und wenn ihm der Sand zu heiß wird, kehrt er halt wieder in sein Stammelement Schnee zurück. Mit Board oder Snowmobil. Am Donnerstag startet Frejn beim Enduro-Rennen „Roof of Africa“.
Welchen Stellenwert nimmt die „Roof of Africa“ in der Enduro-Szene ein?
Die „Roof“ ist ein bisschen die Mutter aller Hardenduro-Rennen: Eine tolle Veranstaltung im Bergland von Lesotho, bei der man nun auch Punkte für die World Enduro Championship sammeln kann. Ich habe mich bei der Planung der Red Bull Romaniacs an diese sehr beliebte Rallye angelehnt.
Sie ist aber nicht Dein erstes Enduro-Rennen am schwarzen Kontinent, oder?
Nein, ich war schon 1996 bei der Atlas-Rallye in Marokko und bei der Rallye Dakar 2007 dabei. Beides waren wirklich tolle Erlebnisse. Ich will mir das auch gern mal in Südamerika geben (Die „Dakar“ wird seit 2009 in Argentinien und Chile ausgetragen; Anm.). Sollte ich die Strecke dort durchstehen, wäre ich damit der erste Österreicher, der bei diesem klassischen Rennen auf beiden Kontinenten ins Ziel gekommen ist.
Mit welcher Maschine bist Du beim Roof of Africa unterwegs?
Mit einer KTM. Ein guter fahrbarer Untersatz ist dort extrem wichtig. (Die Strecke um Maseru in Lesotho führt über Bergpässe, die selbst für Fußgänger eine Herausforderung sind; Anm.) Aber auch die „Beflügelung“ ist aufgrund der hohen Reise- und Transportkosten essentiell.
Gibt es so was wie ein Familiengefühl unter den Teilnehmern?
Du triffst die alten Freunde immer wieder, klar. Cyril Despres und Franz Verhoeven kenne ich, aber auch Chris Birch, Marc Coma und Nani Roma, der die Rallye Dakar 2004 mit dem Motorrad gewonnen hat, was ihm einen Auto-Sponsorvertrag mit Mitsubishi einbrachte.
Du bist selbst Familienvater. Kommst du oft dazu, mit deinen Kids Snowboard oder Motorrad zu fahren?
Ich versuche, mir immer die Wochenenden freizuspielen, was bei meinen vielen Projekten nicht ganz einfach ist. Santiago ist begeisterter BMX-Fahrer und Tara ist im Skiclub, Snowboarden wird von beiden im Moment nicht besonders groß geschrieben. Außerdem sind sie lieber mit ihren gleichaltrigen Freunden und deren Eltern unterwegs. Alles in allem fahren wir aber sicher so zwischen sieben und zehn Mal pro Winter miteinander aus.
Wie siehst Du die Entwicklung des Alpinen Snowboardens?
Puh, das macht mich eher melancholisch. Zu meiner aktiven Zeit waren wir ein cooler Haufen, aber im Vergleich zum Freestylen, dessen Entwicklung super verlaufen ist, ist Racing heute eher ein Trauerspiel. Es ist auch so schwer zu vermarkten, die Szene ist viel zu steif.
An dieser Stelle wird das Interview unterbrochen, weil Frejns Tochter Tara in den Raum kommt, um zu verkünden, dass sie heute einen Einser in Deutsch und Geschichte bekommen hat. Was den Vater freut!
Mein Eindruck ist, dass es stur um sportlichen Erfolg geht, und der Lifestyle-Aspekt fast vollständig aus diesem Zweig des Boardens verdrängt worden ist: Ähnlich wie im Skiverband – sicher gibt’s auch beim ÖSV lockere Burschen, aber es wird nicht gern gesehen, wenn sie es zeigen.
Welche Erinnerungen aus Deiner alpinen Rennzeit verbindest du mit Sigi Grabner?
Der Sigi war zu der Zeit, in der ich den Weltcup-Zirkus dominierte, noch ein ganz junger Hupfer. Er ist lange im Kärntner Outback rumgekrebst, bevor er dann sehr schnell richtig gut geworden, und mir folglich sukzessive um die Ohren gefahren ist. Über zwei, drei Jahre war er am Schluss (nach dem Winter 2001 zog sich Frejn aus dem aktiven Wettkampfgeschehen zurück; Anm.) eine ernsthafte Konkurrenz.
Haben Dich Deine Outdoors-Veranstaltungen in Sibiu bekannt gemacht und wie ist das Feedback der Bewohner Dir gegenüber?
Man kennt uns (lacht). Mit den Red Bull Romaniacs, den Red Bull 1000 Trails und unserem Heliskiing-Angebot können wir auch gar nicht inkognito bleiben.
Wie verliefen die Red Bull Romaniacs 2009 im Vergleich zu anderen Jahren?
Sehr gelungen, wir steigern uns jedes Jahr. Die Red Bull Romaniacs sind aber seit ihrem Beginn ein Riesenaufwand, ein Ganzjahresprojekt. Wir fingen heuer etwa 1000 TV-Stunden ein und hatten nur wenige Verletzte. Allerdings merkt man bei den Anmeldungen und Unterkunfts-Buchungen eine gewisse krisenbedingte Zögerlichkeit. Die Liste war wesentlich später voll als in den Jahren davor. Dennoch ist die Bilanz zufriedenstellend.
Welches rumänische Menü würdest du einem Karpaten-Frischling empfehlen?
Kuttelsuppe ist ebenso gewöhnungsbedürftig wie typisch für die Gegend. Als Hauptgericht empfehle ich Sarmale (Krautwickerl).
Du feierst am 10. Dezember Deinen 40er. Any regrets? Oder schaust Du nicht zurück?
Doch, es war eine geile Zeit und es gibt sehr weniges, das ich anders machen würde. Den einen oder anderen Blödsinn hätte ich zwar auslassen können, aber summa summarum kann ich nur sagen: Bitte noch mal 40 solche Jahre!
Kannst du ein bisschen aus den Pioniertagen des Snowboardens erzählen? Wie wirkten Legenden wie Jake Burton und Craig Kelly auf Dich?
Jake Burton habe ich als supernetten „Hackel“ in Erinnerung, er ist wahres Snowboard-Urgestein; allerdings kamen wir ein wenig übers Kreuz, als sich das Burton-Management aus dem Alpinrennsport zurückzog. Craig lernte ich 1990 bei meinem ersten transatlantischen Trip mit Dieter Happ (damals Weltcup-Gesamtsieger und europäischer Meister; Anm.) kennen und schätzen. Wir waren im Burton-House in Breckenridge, Colorado, einquartiert und lernten Keith Wallace, Mike Jacobi und andere Helden der amerikanischen Szene kennen. Craig zeigte uns die besten Runs in der Gegend und war extrem gastfreundlich.
Dein Lieblingsberg zum Freeriden in den Karpaten?
Eigentlich überall, wo man mit einem Heli landen kann. In der Nähe von Sibiu das Fogarasch-Gebirge. Ich finde aber auch die Hohe Tatra in der Slowakei spannend.
Deine bevorzugte Dracula-Verfilmung?
Sorry, aber Vampire interessieren mich überhaupt nicht.
Was läuft bei dir daheim für Musik?
Hardrock. Metallica und Konsorten, in ruhigeren Stunden auch gern Pink Floyd. Auf den Hip Hop-Zug bin ich’s nicht mehr aufdersprungen.
Schon Mt. Saint Elias (Skiabenteuer-Film, ab heute im Kino; Anm.) gesehen?
Nein, noch nicht. Aber Axel (Naglich. Kitzbüheler Extremskifahrer; Anm.) kenne ich schon ewig. Ich kann mich noch an Turn-Wettkämpfe mit 14 erinnern, bei denen er auch dabei war.
Wie siehst Du die Entwicklung von Red Bull?
Red Bull hört nicht auf zu wachsen. Ich kann mich noch an die unglaublichen Zeiten Anfang der Neunziger erinnern, in denen es in Deutschland noch verboten war und wir eine Dose gegen einen Drink an der Bar eintauschten. Es ist eine große Bewegung geworden – und hinter allem der geniale Kopf, der nicht ruhen will.
Bist du noch bei Rome-Snowboards involviert?
Ja, aber das ist inzwischen ein Selbstläufer geworden. Gutes Team und Produkte mit Herz und Seele.
Du wirst aufgrund bestimmter Ereignisse als Olympia-Racer wohl auf ewig mit Japan assoziiert bleiben. Welche Offpist-Erfahrungen hattest Du dort?
Japan ist schön, aber was mich dort angezipft hat, ist, dass man beim Powdern so aufpassen muss: Die Securities spielen dort Katz und Maus mit einem. Abseits wollen die niemanden sehen, im Shinto-Glauben sind die Bergwälder nämlich die Wohnstätte der Geister. Wir haben dort also sicher den einen oder anderen Geist eingestaubt.
http://www.martinfreinademetz.com/
http://www.roof-of-africa.com/
http://de.redbulletin.com/users/martin.freinademetz/
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