Axel Naglich liebt und lebt das Extreme. Hier spricht der „Mount Saint Elias“-Star über Architektur, Mut zum Risiko und sein Herzblatt.
Die Doku „Mount Saint Elias“ beschreibt, wie drei Skiprofis den zweithöchsten Berg Kanadas (5.489 Meter) besteigen und im Anschluss die längste Skiabfahrt der Welt absolvieren. 90.000 Menschen haben den Film bereits in Österreich gesehen, im Herbst kommt er auch in die deutschen Kinos.
Hauptdarsteller Axel Naglich (42) war am Wochenende mit seinem Extremsport-Kollegen Hannes Arch in Obertauern Ski fahren. Für uns nahm er sich jede Menge Zeit zum Plaudern.
Du bist ein waschechter Kitzbüheler, bist dort aufgewachsen und lebst bis heute am Fuße des Hahnenkamms. Was macht die Kitz-Faszination für dich aus?
Ich liebe die Natur und die Berge. Der Ort bietet sich einfach förmlich für Outdoor-Sportarten an. Die Mischung aus Berg und Tal ist wunderschön. Ich kenne die Streif, die schwerste Abfahrt der Welt, in- und auswendig.
Du hast auch eine zeitlang in Südamerika gelebt. Wie kommt’s?
Auf mehrere Monate verteilt hab ich mit meiner damaligen argentinischen Freundin insgesamt ein Jahr in Bariloche und Buenos Aires gelebt. Das Geld zum Herumreisen quer durch Südamerika hab ich mir natürlich als Skitrainer verdient.
Du bist hauptberuflich Architekt, liebst aber das Extreme und bist ein Grenzgänger. Wann hast du diese Leidenschaft entdeckt?
Diese Leidenschaft habe ich noch vor der Architektur für mich entdeckt. Eigentlich hat Extremskisport mit Architektur wenig zu tun, aber es gibt doch einige Parallelen. Man hat eine Problemstellung mit 100 000 Fragen und 100 000 Problemen. Es wird erst dann funktionieren, wenn ich die Probleme löse. Das ist auf dem Berg genauso wie beim Errichten von Gebäuden.
Was sind deine architektonischen Vorlieben?
Mein Fokus liegt auf Wohnbauten und Hotellerie. Ich bin gegen den klassischen Kitsch.
Welches deiner Projekte gefällt dir am besten?
In Fuschl steht ein Einfamilienhaus, das ich bewundere. Nicht nur optisch, sondern auch von der Funktion her. Das Anforderungsprofil des Bauherrn und das, was es im Endeffekt auch kann – alles passt super zusammen.
Mit 5.489 Metern ist der Mount St. Elias zwar nicht der höchste Berg der Welt, aber der mit der längsten Vertikale bis zum Meer. Wie hat dich dieser Berg gefangen?
Wir haben ihn eher durch Zufall entdeckt, als wir 2003 einen Berg für eine andere Mission gesucht haben. Der Pilot hat uns erzählt, dass es schon einen unglücklichen Versuch gab, den Berg zu besteigen. In dem Moment wusste ich, dass wir das schaffen können. Und schon hatte ich das Ziel vor Augen.
Was ist das für ein Gefühl, wenn Du von der Spitze des Mount St. Elias herunterschaust? Warum seid ihr nicht länger oben geblieben?
Es war relativ frisch und windig. Wir waren sehr nervös und für die Abfahrt vorbereitet. Das war auch das Tagesziel. Je früher wir damit anfangen, desto mehr Zeit bleibt uns, das hinter uns zu bringen. Es hat keiner Lust gehabt, oben ein Nickerchen zu machen oder zu genießen. Auf den Berg zu kommen ist einfach – die eigentliche Challenge war es, runterzukommen.
Was waren deine Eindrücke auf der Spitze des Berges?
Ich hatte überhaupt keinen Nerv gehabt, das in irgendeiner Form zu genießen. Im Vorfeld habe ich mir schon gedacht, wenn ich schon mal oben stehe, sollte ich auch mal um mich herum schauen.
Du siehst sehr weit, der Ausblick ist einzigartig. Es gibt keinen Berg, wo du so aufs Meer siehst. Der Genuss hat sich aber in Grenzen gehalten, was vor allem an den Temperaturen lag. Die waren wirklich ungemütlich.
Wie geht deine Frau mit deiner Liebe fürs Extreme um?
Meine Frau macht sich natürlich Sorgen. Wir haben über Satellitentelefon zwei bis drei Tage in der Woche kommuniziert. Sie hat die Anspannung bei mir gehört und ich bei ihr. Das merkst du schon. Sie fehlt mir ja auch. Und du merkst es ganz besonders. Du weißt was du in der Richtung riskierst, wenn es schief geht.
Welche psychischen und physischen Voraussetzungen muss man mitbringen, um diesen hohen Berg zu meistern?
Im Skifahren und Bergsteigen muss man fit sein. Man sollte einen Killerinstinkt haben, Dinge ausblenden können, wenn man sich auf eine Sache konzentriert.
Dein Lieblingszitat: „Man lernt das Leben wieder richtig zu schätzen, wenn man ab und zu Gefahr läuft, es zu verlieren.“ Wann war der gefährlichste Moment in deinem Leben?
Ob es gefährlich war weiß man erst, wenn man tot ist. Es war oft knapp. Ich wäre beinahe schwer gestürzt, ein anderes Mal fast von einer Lawine begraben.
„Wenn’s gut geht, bist ein Held, wenn’s schief geht, bist tot.“ Das hast Du während des Films gesagt. Wie oft hattest Du mit dem Gedanken gespielt, dass es gleich vorbei sein kann?
Als ich zehn war, habe ich mich beim Skifahren ziemlich übel überschlagen. Da dacht ich für einen Moment: es ist gleich vorbei.
Der Film bekam mehrere Auszeichnungen. Um ein paar zu nennen: Gewinner des Goldenen Drachen für den besten Dokumentarfilm, Kamera Alpin in Gold in der Kategorie Abenteuer. Bist Du persönlich mit dem Film zufrieden?
Der Film kann natürlich nur einen Abriss von dem zeigen, was man letztendlich erlebt hat. Ich war darauf versessen, dass ein Laie kapiert, um was es geht. Es sollte massentauglich sein und nicht für Extremskifahrer.
Was würdest Du beim nächsten Mal anders machen?
Ich würde es mit mehr Manpower anpacken. Dann bleiben einige Dinge nicht auf der Strecke und jeder kann sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Nach der Ausstrahlung des Filmes diskutiert man, warum Menschen immer wieder an ihre physischen und mentalen Grenzen gehen. Wie würdest Du das beantworten?
Ich stehe zu 100 Prozent zu dem was ich mache. Ich kann es nicht verstehen, wie man einfach so vor sich hin leben kann. Ich finde es toll, wenn man Dinge tut, die vorher noch nie jemand getan hat. Von dem Fortschritt kann doch jeder profitieren.
Was hat sich in Deinem Leben nach der Besteigung von Mount Saint Elias verändert?
Es hat sich nicht gravierend viel getan. Meine Beziehung zu meiner Frau ist nur intensiver geworden. Ich bin seit zwei Jahren mit Verena (27) verheiratet. Sie ist mir besonders wichtig. Auch zu anderen Leuten. Zu meinen Team-Kollegen habe ich vor allem ein sehr intensives Verhältnis.
Wirst Du von Menschen auf der Straße angesprochen?
Wenn ich im Bergsportgeschäft oder einem Skigebiet bin, dann erkennen mich die Leute schon.
Existiert das Wort Angst für dich?
Ich habe in manchen Situationen Angst, zeige es nur nicht nach außen. Wenn ich volle Kanne Angst habe, dann würde es jemand, der neben mir steht, nicht mal merken. Es gibt bei mir keine Gefühlsregung.
Hast du während deiner Abendteuerreise abgenommen?
Wenn man den Berg hochsteigt, hat man immens viel Zeit. Man wartet auf besseres Wetter, hat nichts zu tun. Mit der Höhe nimmt allerdings der Appetit ab. Das Kochen ist mühsam, der Schnee ist trocken. Aber klar, du nimmst radikal ab. Beim mir waren es zwei bis drei Kilo.
Was hast Du als erstes gegessen, nachdem Du zurück warst?
Ich hatte eine Riesenlust auf vernünftiges Essen, das auch in einer Küche zubereitet wird. Meine Frau hat mir Wurstnudeln mit angeröstetem Speck vorbereitet.
Was hat „Stille“ und „Reisen“ für eine Bedeutung für dich?
Ich liebe die Stille. Das ist einfach genial. In Alaska war kein Zeichen von Zivilisation. Diese visuelle Stille war so geil.
Treibt es dich jetzt wieder in die Welt hinaus?
Ich mag es daheim, reise auch sehr gerne. Deswegen will ich unbedingt noch Afrika, Südostasien, Usbekistan und China erkunden.
Kommentare
Einen Kommentar hinzufügen