Arch oder Bonhomme? An diesem Wochenende entscheidet sich, wer sich Red Bull Air Race-Weltmeister nennen darf. Eines steht fest: Beide Piloten strotzen vor Zuversicht.
Am Mittwoch erklärte Hannes Arch voller Zuversicht, das Saison-Abschlussrennen der Red Bull Air Race-Weltmeisterschaft 2010 auf dem EuroSpeedway Lausitz für sich zu entscheiden. Und, mit etwas Glück, damit auch dem Briten Paul Bonhomme praktisch noch auf der Zielgeraden den WM-Titel abjagen zu können. Aber der Titelverteidiger aus Großbritannien, der noch einen 5-Punkte Vorsprung auf Arch hat, konterte geschickt. Er sei sich sicher, am Wochenende genügend Punkte zu holen, um zum zweiten Mal in Folge den WM-Titel zu gewinnen.
Auch der Deutsche Matthias Dolderer versprühte Optimismus. Er sei sich sicher, vor heimischer Kulisse einen Podiumsplatz zu erreichen. Der Lauf am kommenden Wochenende ist nicht nur das 50. Rennen der Red Bull Air Race-Weltmeisterschaft sondern ist gleichzeitig auch einer der Höhepunkte der vielen Festivitäten, mit denen das 10-jährige Jubiläum des EuroSpeedway Lausitz gefeiert wird. Die Motorsportanlage verfügt über die größten und modernsten Zuschauertribünen in Europa, die Hangars der Piloten werden in der Boxengasse, direkt unterhalb der Haupttribüne, aufgebaut. So haben die Zuschauer einen fantastischen Einblick, wie die Piloten und ihre Teams sich auf die Rennen vorbereiten.
“Meine Strategie ist einfach – hier gewinnen und dann sehen, was passiert“, erklärte Arch Dutzenden Journalisten bei einem Pressegespräch vor den Hangars einen Tag vor dem ersten Trainingsdurchgang am Donnerstag. „Ich werde alles geben, das Rennen zu gewinnen. Dann werde ich mich zurücklehnen und darauf warten, dass Paul einen Fehler macht. Das ist bisher meine beste Saison, auch als Team waren wir nie besser als jetzt – und jeder weiß das. Ich baue darauf, Deutschland mit der WM-Krone wieder zu verlassen.“
Arch hat drei der letzten vier Rennen gewonnen: Perth, Rio und Windsor. Der Weltmeister 2008 verfügt nach Meinung vieler über das schnellste Flugzeug – der Edge 540 V3. Das ist übrigens auch die Maschine, mit der Lokalmatador Dolderer vor den Augen seiner heimischen Fans in den Parcours auf dem EuroSpeedway Lausitz starten wird. Zum ersten Mal in der Geschichte der Red Bull Air Race-Weltmeisterschaft wird ein Rennen über einer Motorsportanlage ausgetragen.
Dennoch – Bonhomme war in dieser Saison der konstantere Pilot, belegte bei allen fünf Rennen Podiumsplätze und holte sich in Abu Dhabi und New York den Sieg. Vorausgesetzt Arch holt sich den einen WM-Punkt aus der Qualifikation, müsste der Brite mit seinem 5-Punkte-Vorsprung beim Rennen am Sonntag mindestens einen dritten Platz erreichen, um den WM-Titel zu verteidigen. Der Gewinner streicht zwölf Punkte ein, für den Zweitplatzierten gibt es zehn, für den Dritten neun Punkte.
“Ich kümmere mich jetzt wirklich nicht mehr um die Punkte. Das ist absolut sinnlos. Was ich zu tun habe? Ich muss jetzt im Training einfach Spaß haben, verschiedene Taktikten ausprobieren und dann alles wie ein Puzzle zusammen fügen“, ist sich Bonhomme sicher. „Ich muss Hannes nicht schlagen. Wäre ich ein Taktiker, müsste ich mich auf Nigel (Lamb), Kirby (Chambliss), Matt (Hall) und Pete (McLeod) konzentrieren. Hannes kann machen was er will. Aber was ich zu tun habe, ist diese Jungs zu schlagen.“
Bonhomme, der sich 2007 und 2008 mit dem frustrierenden zweiten Platz zufrieden geben musste, ist sich seiner Stärke bewusst. Er weiß genau, dass seine Erfahrung aus Titelkämpfen im letzten Rennen der Schlüssel zum Erfolg sein könnte. Das hat er auch im vergangenen Jahr unter Beweis gestellt, als er Arch beim Saisonfinale in Barcelona noch in letzter Sekunde den WM-Titel abjagte.
“Natürlich ist das ein Vorteil“, weiß Bonhomme um seine große Erfahrung, unter enormem Druck fliegen zu müssen. „Aber der wirkliche Schlüssel ist, immer cool zu bleiben. Ich bin wirklich sehr gelassen. Ein wenig Nervosität, die immer mal wieder durchscheint, ist dabei aber eher positiv. Wir werden sehen, wie es am Donnerstag im Parcours läuft. Wenn dann Hannes, Nigel und Kirby plötzlich zwei Sekunden schneller sein sollten als ich – na, dann werde ich wohl doch etwas umdenken müssen.“
Arch würde gerne in Deutschland gewinnen um dann mit den meisten Siegen im Jahr 2010 etwas angeben zu können: Ein Erfolg in der Lausitz wäre Nr.4... Vor zwei Jahren gewann Bonhomme vier Rennen, doch es war letztlich Hannes Arch, der sich mit nur zwei Saisonsiegen zum Champion kürte. Jetzt würde der Österreicher gerne den Spieß herumdrehen und die meisten Saisonsiege für sich beanspruchen.
Seit der Rennkalender 2010 im vergangenen Jahr bekannt gegeben wurde, freut sich Dolderer, der immer noch auf seinen ersten Sieg wartet, auf das Rennen vor heimischer Kulisse. „Ich bin wirklich stolz, hier in Deutschland vor meinen Fans fliegen zu können“, sagte er vor Journalisten. „Es ist großartig, dass das Saisonfinale in der Lausitz stattfindet. Eine tolle Location und der Parcours ist einfach genial für ein solches Motorsportrennen.“
Auch wenn einige Piloten das große Medieninteresse und die vielen Wünsche von Freunden und Familie bei Heimrennen als Nachteil empfinden, zieht der Deutsche daraus dennoch zusätzliche Energie und hofft auf ein gutes Resultat. Beim Abschlussrennen der Saison 2009 in Barcelona wurde er Dritter – sein bisher einziger Podiumsplatz. Und das würde er in der Lausitz gerne wiederholen. „Das Heimrennen ist ganz klar ein Vorteil für mich“, so der Tannheimer. „Man hat keinen Jetlag, es gibt keine Verständigungsschwierigkeiten und man hat die Unterstützung der Fans. Wenn mir 70.000 Menschen die Daumen drücken, dann fühle ich definitiv diese positive Energie.“
Auch Bernd Loidl, der Chef des Red Bull Air Race, freut sich auf das Rennen auf dem EuroSpeedway Lausitz. “Seit unserem ersten Rennen am Flughafen Tempelhof in Berlin haben wir es weit gebracht. Das Rennen auf dem EuroSpeedway Lausitz ist daher ein Paradebeispiel für die rasante Entwicklung dieser Sportart“, sagte Loidl. „Die Zuschauer können die Rennaction aus einer einzigartigen Perspektive verfolgen. Sie haben neben dem Rennen selbst auch die Boxengasse im Blick und können beobachten, wie die Teams die Flugzeuge genau vor der Haupttribüne startklar machen. Es ist wirklich eine aufregende Location.“
www.redbullairrace.com
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