Tame Impala spielen melodischen Hypno-Groove und klingen wie aus den 60-ern. Ihr erstes Album nahmen sie in mystischem Ambiente an der Australischen Westküste auf.
Wer Tame Impala zum ersten Mal hört (maximale Lautstärke ist dabei sehr zu empfehlen), hält die Band unweigerlich für einen Act aus den späten Sechzigern: Cream, Jefferson Airplane oder Leaf Hound. In den unschuldigen und dennoch erhabenen Harmonien schwingen auch die Beatles aus Revolver-Tagen mit, wäre da nicht dieser dicke, fuzzige, cremige Ton, den Sänger und Gitarrist Kevin Parker aus den Saiten kitzelt.
Dabei sind die drei Rocker aus Perth erst Anfang zwanzig und haben Anfang des Jahres gerade einmal ihre zweite Australien-Tour hinter sich gebracht. Ihre Musik beschreiben sie selbst so: „Stell dir die Schulterknochen einer riesigen schleichenden Raubkatze vor, die man mit Tunnelblick wahrnimmt“. Das Berliner Lodown Magazin wiederum beschreibt den Sound ganz ungewohnt unsarkastisch als „Musik, in die man voller Freude eintaucht“.
InnerSpeaker, das LP-Debüt von Tame Impala erscheint am 21. Mai auf Modular Recordings. Damit dürften die drei (nach einer viel versprechenden, selbstbetitelten E.P. von 2008) mit ihrem traumwandlerischen Können in Dimensionen kosmischen Ausmaßes durchbrechen. Ihre Zuhörer nehmen sie dabei mit in ein leicht zugängliches Wunderland der Ekstase.
Aufgenommen wurde das Album im Sommer 2009, als sich die Band nach Injidup Spa (an der abgelegenen Steilküste nahe Margaret River, drei Stunden südlich von Perth) absetzte. Dort steht ein verwittertes Gebäude, das als Mittelding zwischen Holzhütte, Baumhaus und Schloss beschrieben wird.
Das alte Kurhaus wurde mit alten Röhrenverstärkern, minimalistischem Schlagzeug, analogem Spielzeug und psychedelischem Schleckzeug vollgeräumt. Aus dem Kontrollraum genoss man einen 180° Rundblick über die sommerliche Flora am Indischen Ozean und lichtete musikalisch alle Anker.
„Es war komplett isoliert und ganz nahe am Strand,“ erinnert sich Bassist Dom Simper lächelnd. „Kein Internet, kein Handyempfang, und schon gar kein TV. Ich hoffe, man kann die Ruhe dieses schönen Ortes auf InnerSpeaker spüren.
Die Ergebnisse dieser geographischen, mentalen und emotionalen Reise wurden in einem klimatisch komplett diametralen, aber ebenso entlegenen Ort abgemischt. In der Tarbox Lodge von MGMT- und Flaming-Lips-Produzent Dave Fridmann, im tief verschneiten Upstate New York.
Auf die Frage, ob sie nicht lieber in den Swinging 60s gelebt hätten, antwortet Schlagzeuger Jay Watson: „Eher nicht. Ich denke, es ist ein ebenso großes Privileg, in den 2000ern auf diesem Planeten zu leben. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, all die guten Bands unserer Zeit nicht zu kennen. Mir scheint, damals machte man psychedelische Musik aus einem gewissen politischen Zugzwang. Heute machen wir sie weil wir aus verschiedenen Styles wählen konnten und sie uns einfach freut.“
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