Angy Eiter beim Lead Worldcup in Barcelona (c) Heiko Wilhelm

Angy Eiter hat eine Saison mit Höhen und Tiefen hinter sich: WM-Gold in Arco, dann ein Wadenbeinbruch und jetzt der Sieg zum Finale des Lead-Weltcups in Barcelona. Wir trafen die wohl weltbeste Sportkletter-Lady zum Interview.

Wann bist du nach deinem Wadenbeinbruch Mitte Anfang August wieder in den Weltcup eingestiegen?
Der Bruch ist am 11. August passiert. Ich war recht schnell wieder fit, was mich selbst etwas gewundert hat, und so war ich Ende September beim Weltcup in Belgien wieder dabei. Dort ist es ja auch mit Rang 2 gut gelaufen.

Wie bist du nach der Verletzung wieder so schnell fit geworden?
Ich hab viel und gut trainiert. Ich bin keine, die aufgibt. Körperlich hat es ja schnell wieder gepasst. Es war mehr ein mentales Problem. Ich war angefressen auf mich, weil ich im Sommer viel bei uns im Fels klettern wollte, was dann aber eben nicht ging.

Spürst du die Verletzung noch?
Eigentlich nicht. Bei einem Wetterumschwung zwickt es manchmal. Im Vergleich zu meiner Schulterverletzung im Herbst 2008 war es aber eine „chillige“ Sache.

Die Dichte im Weltcup ist sehr hoch. Du hast das Finale in Barcelona ex aequo mit der Koreanerin Jain Kim und der Slowenin Mina Markovic gewonnen. Müssen die Routen schwieriger gesetzt werden?
Die Dichte ist brutal, das stimmt. Wahrscheinlich müssten sich die Routensetzer mehr Gedanken machen. Wenn du eine Athletin hast, die dominiert, ist es einfach für sie: Am Ende der Route ein paar schwierige Griffe setzen, und schon kommt nur noch die beste im Feld bis ganz rauf. Das war aber heuer eben nicht so. Es gab drei Mehrfach-Siege. Und das sollte nicht sein. Da muss mehr investiert werden, damit es eindeutige Siegerinnen gibt!

Warum ist Klettern erst 2020 olympisch?
Das ist schwer zu begreifen. Wir, die Athletinnen, investieren enorm viel, damit der Sport auf einem hohen Niveau ist. 2020 werde ich wohl nicht mehr dabei sein, deshalb bin ich etwas traurig darüber. Die Organisation und die Strukturen hinken dem Level des Sports einfach noch nach, das kann ein Grund sein. Wenn bei Siegerehrungen falsche Hymnen gespielt werden oder Medaillen fehlen, muss man schon sagen, dass die Organisation der Events einfach nicht top ist. Auch dauern Events auch zu lange, sind dadurch nicht so attraktiv. Und drei Siegerinnen, wie heuer eben mehrfach passiert, will man auch nicht immer sehen.

Der Lead Weltcup beginnt erst wieder im Juni. Was machst du bis dahin?
Im Dezember bin ich noch in Spanien zum Felsklettern. Da ist es noch warm. Ich brauche die warmen Temperaturen. Mein Körper ist sonst zu steif, sind meine Finger zu kalt, fehlt mir das Gefühl zum Klettern. Danach wird wieder in der Halle trainiert. Im Frühjahr möchte ich in Tirol und in der Schweiz in den Fels.

Klettern boomt. Merkst du das als Profi-Sportler? Wie kannst du nur vom Klettern leben?

Ich kann davon nicht schlecht leben und muss im Sport keine Abstriche machen. Durch meine Ausrüster und Sponsoren geht es mir gut. Es ist aber nicht so, dass ich großartig was zur Seite legen könnte. Man braucht neben dem Sport eine Ausbildung und danach einen Beruf. Ich war auf der HAK und habe die Trainerausbildung im Klettern. Ich will in Zukunft meine Leidenschaft und meine Begeisterung fürs Klettern weiter geben. Dazu habe ich jetzt schon mit ein paar Freunden ein kleines Unternehmen gegründet. Wir bieten Kletterkurse an. Das will ich nach meiner Kletterkarriere weiter machen.
 

Angy Eiter wurde trotz zweier Verletzungen in diesem Jahr Weltmeisterin im Lead bei der WM in Arco und belegte im Gesamtweltcup Lead Rang 4.

www.angelaeiter.com


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