Angela Eiter, dreifache Gesamtweltcupsiegerin und zweifache Weltmeisterin im Vorstiegsklettern, spricht im Interview über ihr Comeback, den Weg zurück und Red Bull-Sportler mit schwachem Magen.
Am 30. Juni beginnt die WM in Qinghai (China). Wie geht es deiner Schulter, an der du dich im September in Bern verletzt hast?
Eigentlich schon sehr gut. Mein Problem war, dass bei einer Trainingseinheit im Maximalkraftbereich plötzlich wieder Schmerzen aufgetreten sind ...
... weshalb du im April deinen Start bei den Österreichischen Meisterschaften kurzfristig absagen musstest ...
Genau. Der Schleimbeutel in der Schulter hatte sich entzündet, daher hat mir mein Arzt von einem Start abgeraten.
Und jetzt hast du grünes Licht für die WM?
Hundertprozentig sicher ist es noch nicht. Aber natürlich ist es mein klares Ziel, Ende Juni in Qinghai an den Start zu gehen. Ich bin da auch ganz optimistisch. Prinzipiell war ja die ganze Therapie und das Training auf die Weltmeisterschaft ausgerichtet.
Was stand dabei am Programm?
In den ersten zwei Monaten musste ich einen Gurt tragen und konnte nur passive Therapie in Anspruch nehmen. Nach zwei Monaten habe ich mit sehr leichtem Krafttraining begonnen und Übungen mit Viertelkilo-Gewichten absolviert, mehr nicht. Knapp vier Monate später durfte ich erstmals wieder klettern, allerdings nur mit extremer Vorsicht. Erst nach circa sieben Monaten habe ich mit gezieltem Wettkampftraining begonnen.
Wie war das, als du erstmals in der Kletterwand deine Schulter belastet hast - warst du gehemmt, wieder voll zu trainieren?
Das war schon eine große Überwindung, da mir das Vertrauen fehlte. Die operierte Schulter war für mich wie ein Fremdkörper, dem man erst wieder einiges beibringen musste. Anfangs habe ich die Schulter nicht voll belastet, die Fortschritte sind langsam Schritt für Schritt gekommen.
Du bist bereits 2005 und 2007 Weltmeisterin geworden. Mit welchen Erwartungen würdest du heuer zur WM fahren?
Ich habe eine der schlimmsten Verletzungen hinter mir, die man als Kletterer haben kann, daher muss ich mir realistische Ziele setzen. Man darf nicht vergessen, dass ich seit fast einem Jahr keinen großen Wettkampf mehr bestritten habe und meine Vorbereitung durch die Verletzung ganz wesentlich beeinflusst wurde. So fit wie in den vergangenen Jahren werde ich in China natürlich nicht sein. Ein Platz im Finale wäre daher ein wahnsinniger Erfolg für mich, mit Medaillen spekuliere ich nicht.
Rechnest du dir im Weltcup, der erst Mitte Juli beginnt, größere Chancen aus?
Der Weltcup ist etwas anderes, der erstreckt sich ja doch über den ganzen Sommer und Herbst. Bis dahin werde ich noch viel Kraft und Substanz tanken können - da sehe ich durchaus meine Möglichkeiten.
Konntest du die sportliche Pause auch für Dinge nützen, für die du sonst vielleicht weniger Zeit hast?
Ja schon. Ich absolviere ja gerade die HAK als Abendlehrgang, da konnte ich meine Zeit sinnvoll investieren. Außerdem habe ich durch die Verletzung neue Facetten im Trainingsbereich kennengelernt. Es standen sehr viele gymnastische Bewegungseinheiten auf dem Plan, dazu haben wir ein gezieltes Ausdauerprogramm absolviert.
Und du hast Mitte Mai Zeit für den Red Bull-Athleten-Workshop in Fuschl gefunden. Deine besten Erinnerungen daran?
Ich habe mich sehr lange mit Kate Allen unterhalten, auch mit Thomas Morgenstern und vielen anderen geplaudert. Mein persönliches Highlight war aber der gemeinsame Flug mit der DC-6B (Passagierflugzeug, Baujahr 1958, Anm.). Wir flogen zwar keine Loopings, aber die Schräglagen waren nicht ohne, und das Speibsackerl ist nicht bei allen leer geblieben!
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