Elisabeth Osl gewann als erste Österreicherin den Gesamtweltcup im Cross Country. Im Interview erzählt die 23-jährige Tirolerin, warum sie das selbst am meisten überraschte – und wie der Überraschungserfolg ihre Karrierepläne durcheinandergewirbelt hat.
Seit deinem Triumph in Schladming sind mehr als drei Wochen vergangen. Hast du nun mit etwas Abstand schon realisiert, was dir da gelungen ist?
Eigentlich kann ich es noch immer nicht glauben. Das kommt bei mir erst Schritt für Schritt, mit dem Gesamtweltcupsieg konnte ich bis zwei Rennen vor dem Saisonende wirklich nicht rechnen. Das Ziel meines Teams war es ja, dass sich die jungen Fahrerinnen in den nächsten Jahren in der Weltspitze etablieren. Umso größer war dann im Team die Freude darüber.
Du bezeichnest dich als medienscheu und genießt deine Erfolge am liebsten im kleinen Kreis ganz familiär. Wie hast du nach dem Sieg im Gesamtweltcup den Rummel um deine Person empfunden?
Wirklich wohl gefühlt habe ich mich nicht dabei. Auf der anderen Seite war das große Interesse an meiner Person natürlich auch etwas Besonderes – so viel Aufmerksamkeit bekommt man als Mountainbikerin ja nicht sehr oft geschenkt.
Du bist die erste Österreicherin, die jemals einen Gesamtweltcupsieg im Radsport erreichen konnte. Wie fühlt es sich an, Sportgeschichte geschrieben zu haben?
Das ist schon eine ganz besondere Ehre. Am schönsten war es aber für mich zu sehen, dass sich so viele Menschen ehrlich mit mir gefreut haben – und zwar von ganzem Herzen, nicht einfach nur so.
Welche Ziele setzt man sich, wenn man schon einen Weltcup-Gesamtsieg in der Tasche hat?
Mein großes Ziel ist London 2012, die Olympischen Spiele sind für jeden Sportler das Größte. Ich will dort eine Medaille gewinnen, aber das wird natürlich sehr schwer. Die Leistungsdichte ist enorm, und alle haben das gleiche Ziel. Bis zu den Spielen ist es aber noch eine lange Zeit, daher muss meine Konzentration weiterhin dem Weltcup gelten, der ist das tägliche Brot.
Zumal du dir mit Erfolgsdruck nicht leicht tust: 2003 bist du nach deiner Silbermedaille bei der Junioren-WM in ein Formtief geraten, das du selbst als „sportlichen Tiefpunkt deiner Karriere“ bezeichnest.
Ich denke, dass ich heute reifer als damals bin. Außerdem hatte ich heuer auch schon gewaltigen Druck, vor allem vor dem letzten Rennen in Schladming – und ich habe es geschafft. Wenn’s läuft, weiß man nicht warum – und wenn’s nicht läuft, auch nicht. Da darf man nicht gleich verkrampfen, sondern muss locker bleiben.
Nachdem jetzt eigentlich alle Termine erledigt sein sollten – geht’s nun endlich in den verdienten Urlaub?
Mein ursprünglicher Plan war, dass ich noch bis Ende Oktober in Kirchberg trainiere und dann zwei bis drei Wochen pausiere. Momentan macht mir aber das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es liegt bereits zu viel Schnee zum Mountainbiken, jedoch zu wenig, um Skitouren oder Langlaufen zu gehen. Jetzt warte ich einmal ein paar Tage ab, sollte sich das Wetter nicht bessern, mache ich gleich eine Pause. Tja, und dann geht eh schon wieder die Vorbereitung auf die nächste Saison los ...
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