Markus Kröll (c) Marcel Lämmerhirt/Red Bull Photofiles

Markus Kröll, Österreichs erfolgreichster Bergläufer, möchte mit einem Sieg beim Red Bull Dolomitenmann eine Saison voller Enttäuschungen und Rückschläge vergessen machen. Im Interview erklärt der Tiroler, warum er aus dem Nationalteam zurückgetreten ist und vor Andi Goldberger sein Kapperl zieht.

Seit deinem Sturz im vergangenen Jahr und einem ärgerlichen Kunstfehler der Ärzte haben dich die ganze Saison lang Zahnschmerzen geplagt. Bist du nun endlich schmerzfrei?

Zum Glück spüre ich momentan keine Schmerzen mehr, doch das abgebrochene Stück Feile steckt weiterhin in meinem Zahnfleisch. Die Ärzte haben es nun verkapselt, sollten erneut Schmerzen auftreten, muss ich operiert werden. Ansonsten bleibt mir die Feile auch in Zukunft erhalten. Leider hat mich die Geschichte genau die Saison gekostet, für die ich mir so viel vorgenommen hatte. Die Schmerzen haben in den Gesäßbereich ausgestrahlt, bei der Österreichischen Meisterschaft konnte ich nach drei Kilometern nicht einmal mehr das rechte Bein richtig heben.

Wodurch du auch die Qualifikation für die Heim-EM verpasst hast ...

... Da war eigentlich ganz was anderes ausgemacht. Nach dem Wettkampf versicherten mir die Verantwortlichen vom Verband, dass ich noch eine Chance bekommen werde, mich zu qualifizieren. In Wahrheit ist da aber schon längst festgestanden, dass ich bei der Europameisterschaft nicht an den Start gehen darf.

Warum war das deiner Meinung nach so?

Das hat damit zu tun, dass ich vor drei Jahren einen Start beim Red Bull Dolomitenmann der Weltmeisterschaft vorgezogen habe. Leute vom Verband ließen mich wissen, dass mir diese alte Geschichte noch immer übel genommen wird. Man muss aber schon auch sehen, dass wir Bergläufer vom Verband überhaupt keine Unterstützung bekommen. Red Bull liefert mir seit Jahren die Rahmenbedingungen, die für Top-Leistungen notwendig sind. Natürlich wollte ich dann auch beim Red Bull Dolomitenmann mitmachen, der mit seiner Vermarktung und Professionalität seinesgleichen sucht und für unseren Sport enorm wichtig ist.

Und wie wird der Konflikt weitergehen?

Die Geschichte ist für mich erledigt. Das Ganze war wahnsinnig enttäuschend, ich bin deshalb auch aus dem Nationalteam zurückgetreten. Nachdem mir mein Zahn große Schmerzen bescherte, hat mich dieser Konflikt zusätzlich noch psychisch belastet. Ich war mental und körperlich am Boden, blicke jetzt aber wieder positiv in die Zukunft.

In allernächster Zukunft, nämlich am 12. September, wartet der 22. Red Bull Dolomitenmann. Was ist da für dich trotz eingeschränkter Vorbereitung möglich?

Ich möchte zum insgesamt achten Mal den Gesamtsieg holen. Nachdem die Schmerzen weg sind, bin ich wieder bereit, mich freiwillig zu quälen. Auch in der Berglauf-Einzelwertung möchte ich zeigen, dass ich wieder voll da bin.

Gibt es ein Vorbeikommen an Seriensieger Jonathan Wyatt?

Auf jeden Fall, er kocht auch nur mit Wasser. Jonathan, der mittlerweile ein sehr guter Freund von mir geworden ist, wird sicher wieder schwer zu schlagen sein – aber möglich ist es.

Wenn man bis an seine körperlichen Grenzen und mitunter darüber geht, bleibt dann eigentlich noch Zeit für einen Besuch bei den zahlreichen Side-Events des Red Bull Dolomitenmann?

Bei unserem ersten Sieg haben wir noch richtig ausgelassen gefeiert. Das schaffen wir aber heute nicht mehr. Nach dem Wettkampf bin ich so paniert, dass ich froh sein kann, wenn ich eine Mahlzeit hinunterbekomme. Um auf den Putz zu hauen, fehlt mir nach dem Lauf einfach die Kraft, da ist man völlig leer.

Was sagst du als absoluter Experte zu Berglauf-Rookie Andi Goldberger?

Vor dem Andi ziehe ich mein Red Bull-Kapperl. Er kommt ja aus einer Sportart, bei der Ausdauer nicht so gefragt ist. Trotzdem läuft er nicht einfach nur mit, sondern platziert sich sogar im schnellsten Drittel. Alle Achtung!
 


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