Sigi Grabner, der in der vergangenen Saison zum zweiten Mal den Snowboard-Gesamtweltcup gewinnen konnte, hat für die nächste Saison ein großes Ziel: Olympia-Gold. Wie er im Sommer Energie dafür tankt, und warum der Snowboardsport in einer problematischen Phase steckt, verriet der Weltmeister von 2003 im Interview.
Im Juni bist du mit deinem Rad von deiner Wahlheimat Andorra aus, quer durch Nordspanien und dann über die französischen Pyrenäen wieder zurück geradelt. Derartige Marathon-Radfahrten empfindest du als meditativ – wie kann man sich das genau vorstellen?
Natürlich ist es auch eine Qual, wenn du sechs bis neun Stunden am Tag im Sattel sitzt. Aber wenn ich meinen Rhythmus finde, habe ich das Gefühl, dass es stundenlang so dahingehen könnte. Wichtig ist, dass man sich Ziele setzt und danach strebt, diese zu erreichen. Am Rad wird mir immer klar, dass man den Weg dorthin bewusst gehen muss – das ist das Wichtigste. Außerdem ist es ein tolles Erlebnis, quer durch verschiedene Länder zu radeln. So kann ich Land und Leute richtig kennen lernen, mit dem Auto geht ja alles viel zu schnell. Trotzdem war ich natürlich auch sehr froh, als ich wieder zuhause in Andorra ankam.
Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass du seit Jahren in Andorra lebst?
Die Geschichte ist schnell erzählt: Wegen einer Ex-Freundin bin ich dorthin gezogen, sie ist schon lange weg, aber Andorra ist mir geblieben. Mir gefällt es hier einfach.
Du hast vergangene Saison zum zweiten Mal nach 2004 den Gesamtweltcup gewonnen, Weltmeister warst du auch schon, fehlt eigentlich nur noch ...
... Gold bei den Olympischen Spielen, genau. Vancouver ist daher mein ganz großes Ziel, Olympia-Gold ist das einzige, was ich noch nicht gewonnen habe. Und ich weiß genau, dass ich es drauf habe.
Olympisch ist leider nur der Parallel-Riesentorlauf. Verzichtest du da in der Vorbereitung gänzlich auf das Slalom-Training?
Sicherlich liegt der Schwerpunkt auf dem Riesentorlauf, aber das ergibt sich durch den Weltcup-Kalender heuer eigentlich von selbst. In den letzten Jahren ging der Trend weg vom Slalom, nächste Saison werden 80 Prozent der Rennen Riesentorläufe sein. Doch auch der Slalom hat absolut Zukunft, vor allem in Gebieten, die nur kürzere Hänge zur Verfügung haben. Zum Beispiel in Moskau: Da geht sich eben nur ein Slalom aus, aber der ist dafür richtig spektakulär. Es wäre sicher eine Überlegung wert, auch den Slalom ins olympische Programm aufzunehmen.
Das erste Mal olympisch war Snowboard vor zwölf Jahren in Nagano. Du bist damals auch schon dabei gewesen, wie hat sich dein Sport und seine Szene seither verändert?
Radikal. Damals war der Sport sozusagen noch eine gemeinsame Szene, in der alle Snowboarder vertreten waren. Heute steckt der Sport in einer schwierigen Phase. Die klassische Szene hat mit den Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften oder dem Weltcup wenig zu tun. Denen geht es um Lifestyle und Freestyle, vor 15 Jahren war alles noch durchgemischt. Da hast du als Alpiner genauso dazugehört, das ist heute anders. Die Freestyler interessieren sich halt eher für Filme, Fotos und die X Games. Es kommt durchaus vor, dass man den Freestyle-Olympiasieger dann vier Jahre lang im Weltcup nicht zu Gesicht bekommt. Aber auch bei den Alpinen selbst, gab es seit damals große Veränderungen. Vor zwölf Jahren regierte bei uns noch das Chaos und totale Lockerheit – heute ist alles viel steriler, strukturierter und natürlich professioneller. Man kann nicht sagen, dass das eine besser oder schlechter als das andere ist. Ich bin froh, beides erlebt zu haben – und sehr, sehr froh, auch in der alten Zeit dabei gewesen zu sein.
Du bist nicht nur Leistungssportler, sondern auch Geschäftsmann und Teamchef von SG Snowboards. Wie bringst du alle Aufgaben unter einen Hut?
Dank der tatkräftigen Unterstützung meiner Freundin Elisabeth. Sie macht das Business, ich bin für die Entwicklung der SG Snowboards zuständig. Außerdem betreue ich natürlich die Fahrer, die mit meinen Boards unterwegs sind. Mehr geht sich wirklich nicht aus, denn wer erfolgreich sein will, braucht einen freien Kopf.
Warum hast du eigentlich den Entschluss gefasst, deine eigenen Snowboards zu produzieren?
Ich hatte keine konkurrenzfähigen Boards zur Verfügung, also habe ich mir gesagt: Mach sie dir doch selbst. Aus dieser Idee wurde meine kleine aber feine Manufaktur. Die Erfolge, die meine Bretter bisher eingefahren haben, machen mich sehr stolz. Es ist zwar noch nicht alles, was wir in den ersten Jahren an Geld und Energie investiert haben, wieder zurückgekommen, aber mir geht’s um den Spaß an der Sache.
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