Christian Schiester (c) Karl Lueger/Red Bull Photofiles

Extremläufer Christian Schiester erreichte beim Atacama Crossing in Chile, dem Auftakt im 4 Deserts Cup, den starken sechsten Rang. Im Interview verriet der 42-jährige Steirer seine Parallelen zu James Bond, wie er sich auf die weiteren drei Rennen vorbereitet und worüber er sich maßlos ärgert.

Im April hast du beim Atacama Crossing den starken sechsten Rang belegt. Ohne Missgeschick hättest du aber noch weiter vorne landen können …

Ich bin eben auch nur ein Mensch und kein Roboter. Leider habe ich ein Streckenmarkierungsfähnchen übersehen und bin dann zweieinhalb Stunden in die falsche Richtung gelaufen. Wobei man schon sagen muss, dass die Wahl der Fähnchen nicht wirklich eine organisatorische Meisterleistung war. Sie sind sehr klein und pink gewesen, der Hintergrund mit dem Canyon war hellbraun – wenn du da mit 180 Puls vorbeiläufst, bist du natürlich sehr auf dich selbst konzentriert. Aber egal, auch in so einer Situation muss man weiterkämpfen.

Gab es diesmal erneut, wie schon bei deinem ersten Start in der Wüste 2003 und beim Dschungel-Marathon 2006, Regelverstöße der Konkurrenz?

Ja. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, neigen leider sehr viele Menschen dazu, andere zu betrügen. Diesmal waren es einige Spanier, die hinter mir lagen und mich auch nicht überholen konnten. Nur in der Ergebnisliste waren sie dann plötzlich vorne. Ein Schweizer, der mit mir lief, und ich haben daraufhin protestiert – weshalb die Spanier mit Zeitstrafen belegt wurden. So etwas macht mich sehr zornig, aber irgendwann muss jeder einmal in den Spiegel schauen. Ich kann das mit gutem Gewissen, andere nicht. In der Wüste hat eben nicht jeder die Nerven für eine derartige Belastung.

Was hat dich eigentlich von deinem ursprünglichen Beschluss abgebracht, nie mehr in der Wüste zu starten?

Nach dem Marathon des Sables 2003 habe ich mir geschworen, dass ich mir die Wüste nie mehr antun werde. Diese Ohrfeigen, die man dort während des Rennens bekommt, muss man erst einmal verkraften. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, derartige Schmerzen noch einmal zu ertragen – doch es kam der Dschungel-Marathon in Brasilien … Außerdem hat es vor sechs Jahren den 4 Deserts Cup noch nicht gegeben. Nachdem mich der Veranstalter kontaktierte, habe ich mir das Projekt angeschaut und festgestellt, dass das etwas für mich ist. Ich halte es da wie James Bond: Sag niemals nie!

Und wie bereitest du dich auf die weiteren drei Rennen des 4 Deserts Cup vor, am 25. Oktober startet ja bereits das Sahara Race in Ägypten?

Im Sommer habe ich viel Zeit in Kroatien verbracht, da ist es sehr warm, und man findet tolle Bedingungen vor. Um etwas andere Trainingsreize zu setzen, bin ich zusätzlich immer wieder mit dem Mountainbike unterwegs. Für das Training im Winter haben wir dann etwas ganz Heißes vor, da darf ich aber noch nichts verraten.

Nicht einmal eine Kleinigkeit?

Na ja, es wird wieder mit großer Hitze zu tun haben, und ein Laufband wird auch dabei sein. Aber in der Sauna werde ich nicht laufen, mehr sage ich nicht dazu.

Obwohl du dich als Familienmensch beschreibst, bist du bei den Rennen immer wieder bereit, dein Leben zu riskieren. Beim Antarctic Ultra Race hast du trotz Unwetter und gegen den Willen des Veranstalters als einziger Läufer die 100-Kilometer-Distanz absolviert. Wie bringst du Extremsport und Familie unter einen Hut?

Dazu muss ich sagen, dass ich stets versuche, das Risiko auf ein Minimum zu reduzieren, indem ich mich penibel auf den jeweiligen Wettkampf vorbereite. Meine Familie weiß das und steht hinter mir. Das Laufen und die extremen Rennen sind ja mein Beruf geworden, damit verdiene ich heute mein Geld.

Du hältst auch Seminare ab. Dort vermittelst du, dass jeder gesunde Mensch alles erreichen kann, wenn er es wirklich will – nur der Einsatz entscheidet. Aber unter uns: Du selbst bist schon ein Ausnahmetalent, oder kann wirklich jeder mit der richtigen Einstellung ähnliches erreichen?

Natürlich bin ich ein Talent, vor allem was Atemtechnik und Schrittfolge betrifft. Aber das sind Dinge, die sich eigentlich jeder aneignen kann. Deshalb denke ich, dass nur meine absolute Konsequenz das ist, was den großen Unterschied ausmacht. Wenn jemand den absoluten Willen besitzt, kann auch ein weniger großes Talent extreme sportliche Leistungen vollbringen.
 


Kommentare

    Einen Kommentar hinzufügen

    * Alle Felder müssen ausgefüllt werden
    Maximal 2000 Zeichen: :
    Gib den Code ein und klicke dann auf "Kommentar posten".

    Artikel Details